Wir bekamen in der jüngsten Vergangenheit Europas schmerzliche Abhängigkeiten von anderen Ländern, die uns nicht wohlgesonnen sind, zu spüren. Die Energieabhängigkeit von Russland hat uns in eine tiefe Krise gestürzt. Die Rohstoffabhängigkeit von China - insbesondere bei Seltenen Erden - ist in ihrer Tragweite noch nicht zu beurteilen - aber erkennbar schwerwiegend.
Im Bereich der Finanzdienstleistungen wird die Abhängigkeit von den USA unterschätzt. Der wird von amerikanischen Unternehmen wie PayPal, VISA, Mastercard, ApplePay dominiert. Dass Amerika seit der Amtsübernahme von Trump kein verlässlicher Partner mehr ist, liegt auf der Hand. Schwächen anderer Länder werden bei geopolitischen Spannungen schamlos und rigoros genutzt. Bei den Zöllen verfügen wir noch über gewisse Gegenmaßnahmen - nicht so bei den Finanzdienstleistungen.
Wero - die Chance
Nun haben wir mit dem europäischen Zahlungssystem Wero ein Instrument, wie wir die Abhängigkeiten - wenn auch nur Zug um Zug - reduzieren können. Diese Chance sollten wir, trotz aller Vorbehalte, nutzen: um Europa zu stärken, europäische Souveränität zu wahren und wenigstens ein bisschen Patriotismus zu zeigen.
Weros Vorteile
Darüber hinaus bietet Wero auch erhebliche Vorteile für Nutzer und Händler. Wero ermöglicht Echtzeitüberweisungen von Konto zu Konto - ohne IBAN, nur mit Handynummer oder Mailadresse. Der Datenschutz und die Sicherheitsstandards entsprechen europäischen Bedingungen und sind viel wirkungsvoller als in den USA. Die Server stehen in Europa und sind besser vor unberechtigtem Zugriff geschützt. Die Konditionen sind besonders für Händler deutlich günstiger als etwa bei PayPal.
Die Umsetzung
Leider stehen trotz vieler Vorteile sowohl Nutzer als auch Händler auf der Bremse. Händler warten bis viel mehr Nutzer im System sind - und Nutzer wollen erst beginnen wenn viel mehr Händler angeschlossen sind. Ein sich selbst blockierendes System.
Abhilfe könnte eine Methode schaffen, das wir aus der Paar- oder Familientherapie kennen: das Prinzip der finalen Vorleistung. Ich mache dabei mein Verhalten nicht davon abhängig, ob auch die andere Partei Wohlverhalten zeigt, sondern gehe in Vorleistung - mit Blick auf ein zu erwartendes gutes Ergebnis. Dies ist bei Wero recht leicht, weil die nötige „Investition“ nicht gerade hoch genannt werden kann. Also: Auf geht’s - Hin zu Wero!
Fazit
Wero hat eine Chance, die Abhängigkeiten von den USA zu mindern, wenn wir die Ego-Orientierung ein bisschen zurücknehmen, Vorbehalte abbauen und einfach mal loslegen. Anschließend sollten wir uns auch über kleine Erfolge freuen: 100 Millionen Nutzer in Europa und 10.000 Händler wären ein erfreuliches Zwischenergebnis. Und dann sollten wir ein amerikanisches Prinzip nutzen: Hold the line! Dranbleiben!