19.10.2025

Innovative Technologie aus Deutschland? Fehlanzeige?

Viele Medien haben Deutschland als Land für Spitzentechnologie und außergewöhnliche Ingenieursleistungen längst abgeschrieben. Die Berichterstattung konzentriert sich auf Misserfolge und Fehlleistungen. In der Tat ist die Liste lang: vom Zustand der Bahn bis zu zahlreichen zeitverzögerten und teurer gewordenen Großprojekten.

Um der daraus resultierenden schlechten Laune entgegenzuwirken, stellen wir hier in loser Folge mehrere Unternehmen bzw. Projekte vor, die zeigen, dass Deutschland noch immer – auch auf internationaler Bühne – vorne mit dabei sein kann. Heute wenden wir uns dem Unternehmen Reverion zu, einem Spinn-off der TU München mit Sitz in Eresing – nahe München.

Das Start-up hat einen neuen Weltrekord für thermische Kraftwerke aufgestellt – mit einer elektrischen Effizienz von 74,2%. Bislang galt ein Wert von 65% als höchster erreichbarer Wert; typische Werte von heutigen, modernen thermischen Kraftwerken liegen bei rund 60%. So gesehen kann man die Effizienz von Reverion durchaus als technologischen Durchbruch betrachten.

Thermische Kraftwerke verwandeln Energieträger wie Kohle, Öl oder Gas in Strom.

Ein kurzer Blick in die Historie: Das erste mit Kohle betriebene Kraftwerk aus dem Jahr 1882 in den USA hatte eine Effizienz von etwa 2,5%. Danach steigerte sich die Leistung – bis zum bisherigen Rekordwert eines englischen Kraftwerks im Jahr 2024 von 64,18%.

Die Reverion-Lösung ist ein Brennstoffzellen-Kraftwerk in einem Container. Der beschrieben Rekord wurde in Zusammenarbeit mit einer Biogasanlage in Mühlacker, nähe Pforzheim, erreicht. Mit einer neuen Technologie auf Basis von Hochtemperatur-Brennstoffzellen wird Biogas (oder auch Wasserstoff) elektrochemisch in Strom umwandelt und in das Netz der Stadtwerke Mühlacker eingespeist. Weil Strom nicht durch Verbrennung (von Kohle oder Gas), sondern durch eine chemische Reaktion in den Brennstoffzellen entsteht, ist es möglich, einen deutlich höheren Wirkungsgrad zu erzielen.

Besonders hervorzuheben ist auch der vielfältige – und „umgekehrte“ Einsatz des Kraftwerks. Anders als bei herkömmlichen Kraftwerken kann die Reverion-Anlage auch in den Elektrolysemodus wechseln und bei einem Überangebot an Strom Methan oder grünen Wasserstoff erzeugen – gewissermaßen als Energiepuffer. Diese Energieträger können dann auch wieder zur Stromerzeugung genutzt werden.

Reverion verfolgt schon weiter reichende Ziele:

Das Unternehmen peilt laut Aussage ihres Chefs bereits einen Effizienzwert von rund 80% an. Damit wird Energieerzeugung nachhaltiger, emissionsärmer, dezentral und zukunftsfähiger.

Der Chef von Reverion stellt fest:  "In Deutschland gibt es fast 10.000 Biogasanlagen. Wenn wir alle mit Reverion-Kraftwerken ausrüsten, dann können wir so viel Strom erzeugen wie zwanzig Kernkraftwerke.“

Fazit: Es gibt durchaus deutsche Unternehmen, die technologisch in der Weltspitze mitmischen können.

Artikel verfasst von Conny Schmidt
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